Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland - Entwicklungen, Wirkungen, Perspektiven (SHILD).

Personen:
Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, Dr. Ursula Köstler, Dipl. Ges.-Ök. Francis Langenhorst

Projektbeschreibung:
Die gesellschaftlich getragene, bis in die politischen Ebenen verankerte (gesundheitsbezogene) Selbsthilfe vollzieht derzeit eine dynamische Entwicklung. Die Literatur ist sich einig: Eine Selbsthilfekultur ist entstanden.
Das Thema ist gesellschaftspolitisch hoch aktuell: Das Bundesministerium für Gesundheit förderte seit 2013 das in drei Module aufgeteilte Forschungsprojekt Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland – Entwicklungen, Wirkungen, Perspektiven (SHILD). Das SHILD-Projekt wird im Forschungskonsortium vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Medizinische Soziologie (IMS/Dr. C. Kofahl, Prof. O. von dem Knesebeck), mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ESG/Prof. Dr. M.-L. Dierks) und der Universität zu Köln (UzK), Institut für Soziologie und Sozialpolitik (ISS/Prof. Dr. F. Schulz-Nieswandt) durchgeführt.
Grundlegend fußt das Projekt auf einer engen Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis. Es handelt sich um einen gemeinschaftlichen Forschungsansatz, bei dem Design und Methodik zwischen den Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und den beteiligten Akteuren der Selbsthilfe (u. a. BAG SELBSTHILFE, DAG SHG, NAKOS, der PARITÄTISCHE, KBV, RKI, GKV-Spitzenverbände und Spitzenverband Bund GKV) im Arbeitsprozess abgestimmt und von Transferworkshops begleitet werden. Ziel ist es, ein Verständnis der Bedürfnisse, der Erfahrungen, der Akzeptanz, der Kompetenzen und Wirkungen der Selbsthilfe im Mehrebenen-System (Mikro-, Meso- und Makroebene) des deutschen Gesundheitswesens aus unterschiedlichen Blickwinkeln darzulegen. Näher Informationen sind unter  http://www.uke.de/extern/shild/index.html verfügbar.

Das hier an der Professur für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung durchgeführte Teilprojekt des zweiten Moduls (Laufzeit von Januar 2013 bis Juni 2014) beinhaltete eine Situations- und Bedarfsanalyse der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe in Deutschland. Zielsetzung der fundierten Recherche des zweiten Moduls war eine theorieorientierte strukturierte Skizze der gesamten Forschung. Die Publikation liegt vor: Schulz-Nieswandt F. und F. Langenhorst 2015. Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland, Zu Genealogie, Gestalt, Gestaltwandel und Wirkkreisen solidargemeinschaftlicher Gegenseitigkeitsgruppen und der Selbsthilfeorganisationen, Duncker & Humblot, Berlin.

Das aktuell durchgeführte Teilprojekt des dritten Moduls (Laufzeit von Juli 2014 bis Juni 2017) beleuchtet die Wirkungen von Selbsthilfeaktivitäten in den politischen und (sozial)rechtlichen Handlungsfeldern, also der Meso- und Makroebene. An der Professur für Sozialpolitik und Methoden der qualitativen Sozialforschung werden qualitative Erhebungen und Analysen bei Vertreterinnen und Vertretern der Selbsthilfe und Patientenvertreterinnen und Patientenvertreter durchgeführt. Dabei geht es u. a. um Blickwinkel, Rollengenerierungen, Positionsbestimmungen und Wirkungsdimensionen der (derzeit: konsultativ eingebundenen) Patientenvertreterinnen und Patientenvertreter in den Ausschüssen.

Finanzierung: Bundesministerium für Gesundheit

Methoden: Workshops sowie feldabklärende Literaturstudie mit angeschlossener Recherchestudie

Publikationen:
Schulz-Nieswandt F 2015. Gesundheitsbezogene und soziale Selbsthilfegruppen als bürger-schaftliches Engagement im sozialräumlichen Kontext kommunaler Daseinsvorsorge. In: Selbsthilfegruppenjahrbuch 2015. (Hrsg.) Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., Gießen. 134-149.

Schulz-Nieswandt, F. (2015): Gesellschaftliche Verankerung und Nachhaltigkeit der Selbsthilfe in Deutschland: die Ergebnisse der SHILD-Studie im Kontext von Sozialrecht und Förderpolitik. In: Kofahl, Chr./Schulz-Nieswandt, F./Dierks, M. L. (Hrsg.): Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung in Deutschland Berlin: LIT.

Schulz-Nieswandt, F./Langenhorst, F. (2015): Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland, Zu Genealogie, Gestalt, Gestaltwandel und Wirkkreisen solidargemeinschaftlicher Gegenseitigkeitsgruppen und der Selbsthilfeorganisationen, Duncker & Humblot: Berlin.

Schulz-Nieswandt, F./Köstler, U./Langenhorst, F. (2016): Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland. Zu Genealogie, Gestalt, Gestaltwandel und Wirkkreisen solidargemeinschaftlicher Gegenseitigkeitshilfegruppen und der Selbsthilfeorganisationen. In: Kofahl Chr./Schulz-Nieswandt, F./Dierks, M.-L. (Hrsg.): Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung in Deutschland. Münster: LIT. 30-43.

Gesundheitsmonitoring durch Wearables und Health Apps. Eine empirische Analyse der Nutzer/innenprofile und ihrer Auswirkungen auf Selbstbestimmung, Arzt-Patienten-Interaktion und Solidaritätseinstellung.

Personen:
Prof. Dr. Remi Maier-Rigaud, Sarah-Lena Böning, M.Sc.

Projektbeschreibung:
Der mit Computerisierung verbundene technische Wandel beeinflusst alle unsere Lebensbereiche. Mit der digitalen Revolution verändert sich auch die Handhabung des Gesundheitsmonitorings. Wearables und Health Apps werden seit kurzer Zeit in wachsender Zahl auf dem Markt angeboten und bieten vielfältige Möglichkeiten der Überwachung von gesundheitsbezogenen Parametern. Eine steigende Relevanz für die zukünftige Gesundheitsversorgung und -prävention wird allseits erwartet. Im Fokus des Forschungsprojektes steht die Gruppe der Verbraucher, welche Gesundheitsmonitoring-Produkte zur Selbstüberwachung einsetzen. Bislang existiert kaum Forschung zu diesem Bereich, und die Literatur ist von der Frage der unternehmensstrategischen Erschließung dieses Sektors dominiert. Entsprechend fehlt eine sozialwissenschaftliche Theorieperspektive, und vor allem werden gesellschaftliche und verbraucherpolitische Implikationen dieser Entwicklung entweder nicht oder nur randständig beleuchtet.

Durch Fragebögen und qualitative Interviews mit Studierenden, die Gesundheitsmonitoring-Produkte nutzen und solchen, die sie nicht nutzen, sollen Erkenntnisse über das Verbraucherverhalten gewonnen und erste gesellschaftliche Implikationen sowie verbraucherpolitischer Handlungsbedarf identifiziert werden. Verbraucherpolitisch relevant sind unter anderem die Auswirkungen von Gesundheitsmonitoring-Produkten auf die Selbstbestimmung des Lebensstils von Nutzern, die Interaktion zwischen Patient und Arzt und die Solidaritätseinstellung der Bevölkerung. Im Vergleich mit Nichtnutzern stellt sich die Frage

  • ob Nutzer eine stärkere Präferenz für einen gesunden Lebensstil haben.
  • ob Nutzer eine selbstbewusstere und aktivere Rolle in der Arzt-Patienten-Beziehung einnehmen.
  • ob Nutzer eine kritischere Einstellung zur solidarischen Krankenversicherung und insgesamt zum Sozialstaat haben.

Finanzierung: Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW, Kompetenzzentrum Verbraucherforschung NRW

Methoden: Qualitative Erhebung mit dem Charakter einer explorativen Feldstudie.

Publikationen: folgen Anfang 2017